Zukunft kommt

Es ist das erste Typenhaus der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ und bald bezugsfertig. In Berlin-Hellersdorf, Schkeuditzer Straße, an einem Platz, von dem aus man in ein paar Minuten an der U-Bahnlinie 5 ist, aber auch nur wenige Minuten braucht, um auf freies Feld mit freiem Blick zu gelangen steht es und am 15. November konnte man es besichtigen. Carola Bluhm hat die Gelegenheit genutzt, denn hier, mitten in einem der großen sogenannten Plattenbaugebiete, die zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin entstanden steht nicht die, aber eine Zukunft. Zumindest wenn es um bezahlbaren Wohnraum, Neubau in einem Kostenrahmen, der günstige Mieten ermöglicht und auch Wertschätzung derer, die mit nicht allzu hohen Einkommen durchs Leben kommen müssen und das Recht haben, angemessen und angenehm zu wohnen.

20.000 Wohnungen hat die „Stadt und Land“ bereits neugebaut, 2000 sind im Bau, 1000 werden bis 2026 noch dazu kommen. Das ist beachtlich und vor allem ist es ein Beweis dafür, dass Berlin gegenwärtig auf verschiedenen Ebenen daran arbeitet, das Wohnungsproblem zu lösen – zumindest langfristige und tragfähige und an den Bedürfnissen orientierte Lösungen zu finden. Mit gesetzlichen Regelungen, wie dem Mietendeckel, durch Rekommunalisierung privater Immobilien, mit Neubau.

Seit 2014, sagt der Geschäftsführer der „Stadt und Land“, Ingo Malter, seien die Baupreise um circa 25 Prozent gestiegen. Es sei deshalb eine große Herausforderung, neu zu bauen und Mieten unter zehn Euro, beginnend bei 6,50 Euro pro Quadratmeter zu garantieren. Das zu schaffen gebar die Idee des Typenhauses und die „Stadt und Land“ hat sich solche Häuser von guten Architekten entwerfen und durchrechnen lassen. Seriell gebaut, aber nicht von der Stange könnte man sagen, denn die Häuser ermöglichen, trotz standardisierter Grundrisse und serieller Bauweise Variantenreichtum und Anpassung an das vorhandene Wohnumfeld. Sie sind schön. Und noch schöner ist, dass die Wohnungsbaugesellschaft zwar die Urheberrechte an der Entwicklung dieser Häuser behält, die Baupläne aber zur Nachahmung zur Verfügung stellt. Wer will, kann diese Typenhäuser bauen.

„Wir wollen beides“, sagte Malter bei dem Besichtigungstermin, „preiswert und innovativ. Die Fassaden sind sehr variabel und können an die jeweilige Umgebung angepasst werden. Und um bezahlbare Mieten anzubieten, was für mich zum Generationenvertrag, wie ich ihn verstehe, gehört, mussten wir die Baukosten in den Griff bekommen.“

Kreativität und Hartnäckigkeit, könnte man sagen, haben dafür gesorgt, dass dies gelungen ist. Die Häuser sind nicht unterkellert, dafür aber bieten die Wohnungsgrundrisse ausreichend und kluge Lösungen, um Stauraum zu schaffen. In den Außenbereichen sind überdachte gesicherte Fahrradstellplätze vorgesehen, die Balkone sind groß genug für ein Sonntagsfrühstück, die Bäder hochwertig und kleine, bis gar nicht so kleine Raumwunder, im Erdgeschoss gibt es einen Raum für Kinderwagen und Rollatoren.

165 Wohnungen (1-5 Zimmer groß) stehen im ersten Typenhaus, das im Februar 2020 bezugsfertig sein wird, zur Verfügung. Carola Bluhm hat sich gemeinsam mit Ingo Malter und den Architekten drei davon angeschaut und war begeistert.

Die Hälfte der Wohnungen wurden mit Fördermitteln des Landes Berlin errichtet, hier liegen die Einstiegsmieten bei 6,50 Euro kalt. Für diese Wohnungen braucht man einen Wohnberechtigungsschein. 57 der 165 Wohnungen sind barrierefrei und was die Wertschätzung der künftigen Bewohner*innen anbelangt: Egal, ob mit oder ohne Wohnberechtigungsschein, alle Wohnungen haben den gleichen und guten Ausstattungsstandard, hier wird nicht unterschieden, ob jemand seine Miete vom Jobcenter bezahlt bekommt oder, weil er oder sie Arbeit hat und ausreichend verdient, aus eigener Tasche bezahlen kann.

Diese Art, mit einem wirklich drängenden Problem umzugehen und Lösungen vorzuschlagen, diese Lösungen nicht für sich zu behalten, sondern auch anderen zur Verfügung zu stellen, mit den nicht einfachen Gegebenheiten umzugehen, anstatt vor ihnen zu kapitulieren, das sei es, sagte Carola Bluhm, was einen unschätzbaren Beitrag dazu leisten werde, dass die Menschen in Berlin bezahlbaren Wohnraum finden.

Die Zukunft steht also in Hellersdorf. Auch.

Kathrin Gerlof   – Mitarbeiterin