Wer macht Berlin

Vor drei Jahren fand die Stadtdebatte „Alte Mitte, neue Liebe“statt. Es ging um die Entwicklung der Freiflächen zwischen Bahnhof Alexanderplatz und dem Spreeufer gegenüber des Humboldt-Forums, das noch immer im Bau ist. Wir wollen es nicht Schlossbau nennen. Ein Ergebnis der damaligen Diskussionen, an denen sich viele Menschen beteiligten, waren gemeinsam erarbeitete Bürgerleitlinien, die 2016 vom Abgeordnetenhaus beschlossen wurden.

Inzwischen wurde die Berliner Mitte größer gefasst. Nun geht es um ein Projektgebiet, das neben Alexanderplatz, Rathaus- und Marx-Engels-Forum, Molkenmarkt und Fischerinsel auch das Humboldt-Forum, das Parlamentsviertel, die Breite Straße, den Petriplatz und das Gelände des einstigen Staatsratsgebäudes der DDR umfasst. Die Themenkomplexe: Geschichte, Archäologie, Wohnen und Arbeiten, Freiraum, Kultur und Wissenschaft, Infrastruktur.

Am 20. September nun der Auftakt der fortzusetzenden Stadtwerkstatt. In der Karl-Liebknecht-Straße 11, in Räumen, die vom Projektpartner WBM sozusagen nur zu diesem Zweck den Bürger*innen zur Verfügung gestellt werden – ein Dialogzentrum also. Der Auftakt verhieß, dass die Bürgerleitlinien nicht für die Schublade entwickelt wurden. An ihnen entlang soll sich die Stadtwerkstatt Berliner Mitte bewegen, sie sind die Grundlage für die Formen und die Art und Weise des Dialogs.

Ab Oktober 2018 werden die Räume jeden zweiten Mittwoch im Monat offen sein. Hier können Arbeitsgruppen tagen, Menschen miteinander reden, neue Ideen debattiert und entwickelt werden.  Am 10. Oktober findet das erste Forum, am 15. November der erste Projektwerkraum der Stadtwerkstatt statt.

Zum Auftakt waren u.a. die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher und die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gekommen, die Veranstaltung war gut besucht und wurde auch schnell zur Baustelle im besten Wortsinn. In vier Gruppen diskutierten die interessierten Bürger*innen mit den Politiker*innen und Organisator*innen des Dialogprozesses über künftige Arbeits- und Kooperationsweise, Schwerpunkte, offene Fragen. Die Organisationdes für einen längeren Zeitraum geplanten Prozesses setzt darauf, dass möglichst alle Interessierten auch zu Beteiligten werden können. Angesichts dessen, dass wir von 30 großen und noch größeren Projekten reden, kein einfaches Unterfangen. Zählen doch Vorhaben wie Molkenmarkt, Märkisches Museum/Marinehaus, Breite Straße, Archäologisches Besucherzentrum am Petriplatz, Freiraum Marx-Engels-Forum, European School of Management and Technology im einstigen Staatsratsgebäude, Freiraum Humboldt-Forum dazu. Alle in unterschiedlichen Stadien der Bearbeitung. Manche vorerst nur eine Idee, für andere gibt es Entwürfe, die debattiert werden, wieder andere sind bereits in der Planung und manche in der Umsetzung.

Katrin Lompscher und Regula Lüscher machten an dem Auftaktabend deutlich, dass es bei allen Projekten und Vorhaben sowohl um Offenheit als auch um Verbindlichkeit geht. Offenheit in Bezug auf die jeweilige Projektreife und die damit verbundenen Beteiligungsmöglichkeiten, die manchmal groß sind, weil alles erst am Anfang steht, und manchmal nur darin bestehen, ein Recht auf umfassende Information zu haben. Verbindlich, wenn es darum geht, das, was gemeinsam erarbeitet und beschlossen wurde, umzusetzen. Bei der Komplexität des Unterfangens ist das kein einfaches Vorhaben, denn es wird viele Beteiligte und viele Interessenslagen geben.

Der Kern der Stadtwerkstatt wird die Arbeit an den Projekten sein und die Hoffnung, die sich damit verbindet, ist, dass sich viele Menschen einbringen, weil das dann auch immer heißt, dass die Expertise groß ist und verschiedenen Ansätze und Sichtweise Eingang finden in das, was entsteht.