Neu in jeder Hinsicht – das Haus der Statistik

Am 30. Mai fand Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) der 6. VernetzungsRatschlag der Initiative Haus der Statistik statt. Vier Monate zuvor war eine bis dato vielleicht einmalige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet worden, um das große, leerstehende Areal – Zeitungen nennen es gern einen „Koloss“, wiederzubeleben und zu einem ebenfalls vielleicht einmaligen Ort werden zu lassen, der Wohnen, Kunst, Kultur, Verwaltung, Politik beherbergen wird.

Man kann sagen, das Haus der Statistik ist ein Prüfstein der guten Art, dafür, dass Stadtgesellschaft für Miteinander steht und nicht für Nebeneinander.

Unterzeichnet haben die Kooperationsvereinbarung die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Bezirk Mitte, die Berliner Immobilien Management GmbH(BIM), die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und die Initiative Haus der Statistik, deren Vertreterin die Genossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin eGist. Zum VernetzungsRatschlag waren alle geladen, die sich als Personen oder Organisationen für die Entwicklung des Hauses, das seit mehr als acht Jahren leersteht und rund 40.000 Quadratmeter bebaute Fläche umfasst, interessieren.

Im Koalitionsvertrag des Senats steht: „Es soll ein Projekt mit Modellcharakter entstehen, indem neue Kooperationen und eine breite Mitwirkung der Stadtgesellschaft sichergestellt werden.“

Der VernetzungsRatschlag, von dem es inzwischen also bereits sechs gegeben hat, beschreibt sozusagen die Phase Null, um das, was im Koalitionsvertrag erst einmal nur steht, umzusetzen. Im Herbst wird dann voraussichtlich die dialogisch angelegte Projektentwicklungswerkstatt beginnen.

Wer sich mit den Ergebnissen der vorangegangenen VernetzungsRatschläge befasst – die Dokumentationen findet man hier– kann sehen, wird feststellen, dass hier Großes geschieht. Mit allen Unwägbarkeiten, Holprigkeiten, Auseinandersetzungen, Euphorien und Mühen, die dazu gehören. Alle versuchen, die Ressourcen einzubringen, über die sie verfügen. Die Initiative HdS vorerst vor allem das eigene Arbeitspensum, deshalb steht sicher auch die Frage im Raum, wie eine Genossenschaft, die so viel Arbeit in das Projekt steckt und das in einer großen Professionalität, was die Gestaltung des Vernetzungs- und Partizipationsprozesses anbelangt, ausgestattet sein muss, um den nötigen langen Atem zu haben. Denn Zeit wird es brauchen. Gut ist, dass der einstige Fahrrad-Flöckner-Laden unmittelbar am Haus der Statistik hergerichtet wird (was man schon sehen kann), um für die Beteiligten, vor allem aber für die Stadtgesellschaft einen Anlaufpunkt zu bieten und einen Ort, an dem gearbeitet und diskutiert werden kann. Diskutiert wird auch, ob und wenn ja wie eine Zwischennutzung des Teils des großen Gebäudeensembles, das künftig jene 20 Prozent des Gesamtareals umfasst, die für künstlerische und soziokulturelle Nutzung gedacht sind. Wir reden hier zum Beispiel von dem Erdgeschoss, das zu DDR-Zeiten die Jagdklause, das Mocca-Eck, der Natascha-Laden und das Geschäft für Jagd- und Anglerbedarf beherbergte. So vieles ist offen und das ist für eine Stadt wie Berlin ein Geschenk, weil es eben auch heißt, dass hier ins Offene gegangen werden kann.