Ja was? Ist uns zum Feiern?

Jetzt haben wir den Feiertag. Den zusätzlichen, bzw. aufholenden, weil andere Bundesländer da ja weiter waren mit der Anzahl der Feiertage. 8. März und gleich das erste Mal fällt der auf einen Freitag. Was ein langes Wochenende bedeutet. Vielleicht, wahrscheinlich, werden das viele nutzen. Und das ist verständlich. Gleichzeitig geraten wir gleich beim ersten Mal in Konflikt. Wenn Feiertag, dann kein Frauenstreik-Kampftag. Wenn Freitag, dann sowieso wahrscheinlich eher ein langes Wochenende geplant, als vielleicht am Freitagabend noch eine kämpferische Veranstaltung, ein feministisches Kinovergnügen (oh je, das ist sowieso schwer zu bekommen), ein informelles Weibertreffen, bei dem radikale Ansichten zum Zustand der Gleichberechtigung geäußert und Kämpferinnenbünde geschmiedet werden.

2019. Der 8. März ist Feiertag. Das ist und bleibt, selbst wenn bei diesem ersten Mal nur privatisiert würde, ein schöner Erfolg. Auch und weil es ja wirklich gerade mal 100 Jahre her ist, dass die Frauen in Deutschland das erste Mal wählen gehen durften. 19. Januar – hätte demzufolge auch ein Feiertag werden können, das war der erste Urnengang mit weiblicher Beteiligung in Deutschland. Wenn man sich heute die Kommentarspalten unter manchen Online-Texten zu Themen wie me too, gender-pay-gap, Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt durchliest, könnte man zu dem Schluss kommen, dass wir seit dem 19. Januar 1919 nicht allzu weitergekommen sind. Aber Schwachsinn und Misogynie (auf gut deutsch: Frauenhasserei) haben ein elend lange Halbwertzeit. Wie man hier nachlesen kann und da reden wir von einem Beitrag des Chefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der zum Thema Gleichstellung von einem erbärmlichen Rückstand Deutschlands schreibt und dafür von jenen, die der Meinung sind, dass der Herd ja nun wirklich ausreichend Möglichkeiten zur Selbstbestimmung und -verwirklichung bietet, unterirdisch primitiv gescholten wird.

100 Jahre also. Keine Ewigkeit, aber doch ausreichend, um sich zu überlegen, ob es nicht wirklich an der Zeit für richtige Gleichstellung wäre.

1848 wurde das zum ersten Mal richtig virulent, diese Vorstellung, dass Frauen das Wahlrecht und überhaupt Rechte nicht verwehrt werden sollten. Was den Kerlen Angst machte. Und ihre Fantasie anregte, wie sich gesetzlich und überhaupt regeln lässt, dass die Frauen möglichst nie…
Das Preußische Vereinsrecht verbot zum Beispiel Frauenspersonen die Mitgliedschaft in Vereinen, „welche bezwecken, politische Gegenstände und Versammlungen zu erörtern“.

Bis 1957 galt im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch der sogenannte Gehorsamkeitsparagraph, der besagte: „Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffende Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung. Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Missbrauch seines Rechts darstellt.“ Jetzt könnten wir sagen, das ist doch gerade mal 62 Jahre her, nun seid mal nicht so ungeduldig. Aber alles in allem reden wir ja wohl eher von mehr als 2000 Jahren. Da darf Frau schon mal ungeduldig werden.

Schön wäre, an diesem 8. März, der in Berlin ein Feiertag sein wird, riefen sich möglichst viele Menschen ins Gedächtnis, dass wir lange nicht an einem Punkt sind, an dem sich sagen lässt: Na den kleinen Rest kriegen wir auch noch geklärt. Der „kleine“ Rest macht noch immer einen großen Unterschied.

Auch 2019 werden Frauen bis zum 18. März wieder umsonst arbeiten. Die vom Statistischen Bundesamtveröffentlichen Zahlen zeigen keine Veränderung beim Gender Pay Gap.
Kathrin Gerlof