Fischerinsel – auf einem guten Weg

Es war eine lange und auch aufreibende Debatte über die Gestaltung des Eckgrundstücks Fischerinsel/Mühlendamm. Eine Debatte, in der alle Beteiligten – die Stadt, der Bezirk, die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die Bürgerinnen und Bürger viel gelernt haben, und die trotz teilweise heftigen Streits gezeigt hat, dass es immer möglich ist, aufeinander zuzugehen und Lösungen zu finden, die im Sinne fast aller Beteiligten sind.

Nun ist klar, dass die Hochhausidee des Berliner Büros DMSW (ein 19-geschossiges Hochhaus mit einer Höhe von 58 Metern und eine u-förmige achtgeschossige Blockrandbebauung) nicht realisiert wird, auch wenn sie in einem langen Wettbewerbsverfahren den Sieg davongetragen hatte.

Von Beginn an gab es seitens der Bewohnerinnen und Bewohner große Bedenken, vor allem das Hochhaus betreffend, auch wenn der Entwurf des 19-Geschossers ein Maximum an Wohnfläche ermöglicht hätte. 1000 Unterschriften wurden gesammelt, die Fischerinsel-Initiative forderte eine „Bebauung mit Augenmaß“, fand Unterstützung beim Bezirksbaustadtrat und die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher erklärte, nicht gegen den Willen der Bürger*innen und des Bezirks entscheiden zu wollen.

Richtig ist, dass die Einbeziehung der Menschen in einem möglichst umfassend demokratischen Beteiligungsverfahren zu Beginn zu wünschen übrigließ. Am Ende lässt sich sagen, dass dies viel Nerven und auch sehr viel Zeit kostet, auch wenn klar ist, dass auch Bürger*innenbeteiligung ihre Zeit braucht und nicht im Hauruckverfahren durchgezogen werden kann. Zu unterschiedlich die Interessen, zu aufwändig der Diskussionsprozess für Meinungsbildung und Annäherung, zu umfangreich das Thema einer Neugestaltung eines so wichtigen innerstädtischen Areals.

Aber: Es lohnt sich immer und der Aufwand ist aufgewogen, wenn am Ende zumindest eine große Mehrheit gut mit den Entscheidungen leben kann, sie mitträgt und sich mit dem, was entstehen wird, wohl fühlt. Es geht sowohl um Lebensqualität als auch um Vertrauen. Und nichts braucht diese Stadt im Umbruch mehr, als Vertrauen und das daraus erwachsende Engagement.

Nun also steht fest, dass der im Wettbewerbsverfahren drittplatzierte Entwurf der „blauraum architekten Planungsgesellschaft mbH Berlin“ realisiert wird. 2021, so ist es erst einmal gedacht, soll die Neugestaltung des 5810 Quadratmeter großen Areals fertig sein.

Carola Bluhm: „Ich bin froh über diese Entscheidung, die fundiert ist und trotz verkürzter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger mit großem Engagement aller Beteiligten getroffen werden konnte. Und ich möchte an der Stelle sowohl den Bürgerinnen und Bürgern, die sich konsequent in der Sache, aber immer auch konstruktiv an der Debatte beteiligt haben, als auch der WBM danken, die als Partnerin in diesem Diskussionsprozess auf die Bedenken und Wünsche der Menschen eingegangen ist und sich der Realisierung der nun veränderten Planung widmen wird. Auch wenn es über manche Strecken sehr harte Auseinandersetzungen gab, finde ich, dass wir im Ergebnis von einem wertschätzenden Umgang aller miteinander reden können. Dafür hat sich die ganze Arbeit und auch die viele Aufregung gelohnt. Vor allem aber wird die nun geplante Bebauung dem Areal und der gesamten Debatte um die Mitte der Stadt gerecht.“

Der blauraum-Entwurf sieht eine Fortschreibung der Traufkante des Blocks Fischerinsel/Getraudenstraße durch eine achtgeschossige, durchgehend unter der Hochhausgrenze liegende, aufgelöste Blockrandbebauung vor, verbunden mit einer aufwändigen Freiraumgestaltung. 180 Wohnungen werden entstehen, das sind 28 Wohnungen weniger, als der erstplatzierte Entwurf enthielt. Zur Wahrheit gehört auch, dass durch die Verzögerungen mehr Kosten entstanden sind, denn die Planungen für den Hochhausentwurf waren schon recht weit gediehen, Arbeit wurde geleistet und wird nun zur Ausgestaltung des blauraum-Entwurfes erneut zu leisten sein.
Das alles hätte durch eine frühzeitigere Einbeziehung aller und ein ausgereifteres Beteiligungsverfahren vielleicht vermieden werden können.

Carola Bluhm: „Umso wichtiger ist, dass wir mit unserem Plan, Leitlinien für Bürger*innenbeteiligung zu entwickeln und nach denen künftig auch zu handeln, zügig vorankommen. Denn eins ist klar: Ohne demokratische Beteiligung lässt sich die Stadt nicht länger fortschreiben und entwickeln. Die Zeiten, in denen von oben entschieden und dann einfach gemacht wurde, sind – zum Glück – vorbei.“
kg