Ein gutes Lehrstück

Am 10. Februar fand im Kino International eine Bürger*innenveranstaltung zum Thema Mittelstreifen Karl-Marx-Allee, zweiter Bauabschnitt, statt. Eingeladen hatte die Senatorin für Umwelt und Verkehr, Regine Günther. Und gekommen waren rund 500 Menschen. Parkplätze oder Grün – dazu hatte es 2014 schon einmal Diskussionen gegeben, und damals sprach das Meinungsbild für Parkplätze. 2014 standen uns die heißen Sommer noch bevor und „Fridays for Future“ gab es noch nicht. Inzwischen sind viele Menschen hierzulande weiter, als es die Politik (vor allem die Bundespolitik) ist. Sie haben den Donner gehört, sie wissen, dass wir jetzt und sofort handeln müssen, um dem Klimawandel, der stattfindet und nicht in der Zukunft liegt, zu begegnen. Der lässt sich nicht mehr aussitzen. Und Parkplätze auf dem Mittelstreifen einer viel befahrenen, mehrspurigen Straße sind heutzutage nicht nur aus Sicherheitsgründen ein kaum noch akzeptabler Kompromiss. Der Veranstaltung mit den Bürger*innen war berechtigter Ärger darüber vorausgegangen, dass die Entscheidung gegen Parkplätze und für eine Begrünung (und damit Entsiegelung) zuerst verkündet und dann diskutiert wurde. Das ist schlecht. Gut ist, dass bei der Veranstaltung alle Argumente für ein Überdenken der einstigen Pläne sachlich und fundiert zur Diskussion gestellt wurden. Und, so meine Einschätzung, sie wurden von den meisten Anwesenden auch als richtig empfunden. Das beweist, was wir bereits wissen: Demokratisches Aushandeln ist allemal besser als Politik von oben. Mühevoller und aufwendiger ist es auch. Aber das ist kein Grund, es anders zu handhaben.

Nun ist es an der Politik (Bezirkspolitik, Landespolitik in Kooperation mit Denkmalschutz und Stadtplaner*innen), Vorschläge für die Gestaltung des Mittelstreifens zu machen, die zum einen das einstige Diktum Parkplätze fallenlassen und zum anderen einem Anspruch an Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit gerecht werden, wie wir ihn heute dringend haben sollten. Bäume zum Beispiel wären gut, sage ich. Und darüber wird, wie auch über andere mögliche grüne Gestaltungen diskutiert werden.

Und das Ganze nicht von oben, sondern im Dialog mit denen, die hier leben und mitdenken und mitreden wollen. Trotz Zeitdruck und wegen des Anspruchs an uns selbst, dass die Stadt allen gehört.

Carola Bluhm