Ein Feiertag, eine politische Entscheidung

Lore Agnes, Clara Zetkin, Mathilde Wurm vor dem Reichstag Berlin

 

Ich bekomme viele Mails, in denen Bürgerinnen und Bürger die Bitte formulieren, unsere Entscheidung zum 8. März, der in Berlin künftig ein Feiertag sein soll, zu überdenken. Alle nennen dafür gewichtige Argumente, die ich ernst nehme. So sind Feiertage – jenseits des Gedenkens und Gedankens, das und der mit ihnen verbunden ist – immer auch eine Möglichkeit, Zeit mit der Familie oder einfach nur für sich zu haben und gemeinsam zu verbringen. Und es wäre auch überlegenswert gewesen, sich deshalb an Brandenburg und somit dem Reformationstag als einem weiteren Feiertag zu orientieren. Viele beschreiben aus ihrer Alltagserfahrung, dass getrennte Feiertage in Berlin und Brandenburg nicht besonders schön sind, wenn Partner und Partnerin sozusagen in verschiedenen Bundesländern arbeiten.

Andere schlagen den 18. März vor, über den wir ja auch auf politischer Ebene diskutiert haben. Die Märzrevolution 1848 und Berlin, da gibt es eine enge Verbindung und an dieses große Ereignis zu erinnern, dafür also auch gute Gründe.

Wir haben für die Wahl eines weiteren Feiertages eine politische Begründung vorgetragen, die ich für wichtig halte. Wir wollen – und darüber haben wir ausführlich diskutiert – dass der 8. März künftig Feiertag ist. Der Internationale Frauentag ist ein wichtiger Tag in der Geschichte und auch heute, da wir uns in vielen Fragen über Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung streiten und auseinandersetzen müssen. Hierzulande und mehr noch in vielen anderen Teilen der Welt haben Frauen noch immer die schlechteren Karten, weniger Rechte, werden mehr ausgebeutet, leisten unendlich viel unbezahlte Arbeit, mit der sie das Gemeinwesen am Laufen halten, sind benachteiligt, von Gewalt bedroht. Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Wie sind seitdem weit gekommen, aber nicht weit genug. Allein die Tatsache, dass auch in einem hochentwickelten Industrieland, wie diesem, der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen unerträglich hoch ist, zeigt, dass wir in Fragen Gleichstellung und Frauenrechte noch immer nicht an einem zufriedenstellenden Punkt sind.

Und gerade jetzt, da wir es in der Gesellschaft auch wieder mit Kräften zu tun haben, die ein Rollback versuchen, Frauen in alte Rollenmuster drängen und Errungenschaften rückgängig machen wollen, finde ich einen Feiertag wie den 8. März wichtig.

 

Die 9 Musen – Bronzerelief von Hilde Schürk-Frisch am Schlaun-Gymnasium Münster /Westfalen

 

Meine Partei und meine Fraktion haben dafür gekämpft, den Tag der Befreiung, also den 8. Mai, zum Feiertag zu bestimmen. Auch das wäre angesichts des Rechtsrucks in vielen Ländern Europas ein gutes Signal gewesen. Wir haben letztlich kein Ranking zwischen Frauentag und Tag der Befreiung vorgenommen – am liebsten wäre uns, beide Tage würden dem Gedenken dienen und somit Feiertage sein –, uns aber dann dafür entschieden, für den 8. März zu stimmen, weil wir denken, dass sich dafür auch die parlamentarische Mehrheit herstellen lässt.

Einheitliche Feiertage in Berlin-Brandenburg wären eine sehr gute Sache. Brandenburg hat nun aber längst eine Entscheidung getroffen und den Reformationstag zum Feiertag erklärt und auch dafür gab und gibt es ausreichend gute Begründungen. Allerdings wäre ich angesichts der Tatsache, dass wir mit Ostern, Pfingsten und Weihnachten Feiertage haben, die sich aus der Geschichte des Christentums ableiten, nicht dafür gewesen, dem in Berlin einen weiteren Feiertag dazuzugesellen. Ich finde, wir müssen und sollten andere Zeichen setzen. Mir und uns ist wichtig, dass wir dem Tag der Arbeit einen weiteren Feiertag zur Seite stellen, an dem es um die Rechte von Menschen geht, die aus unserer Sicht noch viel zu viel Unrecht erfahren und denen wir im Kampf für ein würdevolles Leben zur Seite stehen.