Beckenengel für das Engelbecken

Der Bürgerverein Luisenstadt rief und die Bürgerinnen und Bürgerinnen waren gekommen. An einem Samstag gleich 25 an der Zahl schon um 9:00 Uhr morgens. Im Rahmen der Berliner Freiwilligentage „Gemeinsame Sache“ hatte der Verein zum Großreinemachen am und im Engelbecken am Michaelkirchplatz  mobilisiert. Von der BSR kamen Sicherheitswesten, Müllsäcke und eine Sonderschicht, die den gesammelten Dreck noch am selben Tag abfuhr. Danke dafür! Mit der zweiten Schicht fand sich gegen 11:00 Uhr noch eine mutige Bürgerin in Neopren ein und fischte vor allem Leergut, aber auch ein ertrunkenes IPad vom schlonzigen Grund. Für die Freundinnen und Freunde der Statistik: Bis zum frühen Nachmittag hatten sich um 40 Freiwillige im und um das Engelbecken herum an die Arbeit gemacht.

Dem Engelbecken geht es nicht so gut.  Man kann sagen – es hängt zwischen Bassin und Biotop und darf keines von beidem so richtig sein. Die Frage ist so alt wie das Engelbecken selbst. Seit es nicht mehr Wendehafen für die Schiffstransportwege ist, mit deren Hilfe Berlin gebaut wurde.

Es lässt sich das Ganze als blitzeblautürkis gefliestes Becken mit Fontänen vorstellen. Und zweimal im Jahr fährt der Reinigungswagen durch. Auch als die vielleicht größte Plansche Berlins…oder aber man muss sich ehrlich machen: Ein naturnaher Teich bedeutet, wie jede Gärtnerin und jeder Gärtner weiß, vor allem viel Arbeit, viel Pflege und macht man es nicht selbst: Sehr viel Geld. Ein wenig anmaßend Göttin oder Gott spielen liegt immer darin, will man ein sich selbst regulierendes Biotop schaffen.

Von naturnah, oder auch nur dem früheren Schilfbewuchs ist im Engelbecken derzeit nicht viel geblieben. Im Verdacht stehen Schildkröten, die sonst kein anderes Futter finden. Im Sommer kann es eher unschön riechen, und die Fütterung der Wasservögel und Fische mit Brot ist den Leuten einfach nicht abzugewöhnen. Kurzum: Es fehlt an Zuwendung, an Budget, an einem Plan, wie und in welchem Gleichgewicht das Gewässer gestaltet werden soll, gestaltet werden kann und was das kosten darf.

Im Thälmannpark gibt es bereits seit zehn Jahren eine Initiative die sich um den Kiezteich der Siedlung kümmert. Um einen Kern drei rastloser Aktiver herum gestalten und erhalten die Anwohnerinnen und Anwohner ihr Gewässer. Sammeln Spenden ein, belehren Hundebesitzerinnen, notorische Entenfütterer und müssen immer wieder Wasser nachfüllen, weil der kleine See seit seiner Geburt 1985 untenrum nie ganz dicht war.

In Pankow – dessen Grünflächenamt für die Thälmannparksiedlung zuständig ist – gibt es im nächsten Jahr einen neuen Anlauf für einen Bürger*Innenhaushalt im Bezirk. Es soll ein Haushaltstitel Bürger*Innenbudget geschaffen werden, über dessen Verwendung in Beteiligungsverfahren jeweils konkret entschieden wird. In Lichtenberg ist das bereits seit langem gut geübte Praxis. Von Teichkümmerin zu Teichkümmerer kann man Kiezteich nur wünschen, dass sie nach über zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Pankower Haushalt endlich berücksichtigt werden.

Für das Engelbecken fehlt es derzeit an gleich beidem – ein Bürger*innenbudget in der BVV-Mitte ist nicht in Sicht und die Beckenengel die sich bürgerschaftlich zum Teichgärtnerverein gründen, haben sich im Kiez noch nicht gefunden.

Gut vorstellbar, dass sich im Kiez manche Firma und Gewerbetreibende zum Spenden einladen lässt. Anwohnerinnen und Anwohner sowieso. Nähme sich eine Bürger*inneninitiative ebenso kundig wie leidenschaftlich des Gewässers am Michaelkirchplatz an. Dann fehlte im Haushaltsplan der BVV-Mitte nur noch ein Bürger*innenbudget, von dem Initiativen, Vereine und Einrichtungen unter Beteiligung der Bevölkerung Zuschüsse erhalten oder aus dem heraus solche Projekte und Ideen finanziert werden können. Denn sind wir mal ehrlich: Orte wie das Engelbecken gibt es sehr sehr viele in Mitte, im großen Ganzen von Berlin. Sollen die alle richtig schön werden und schön bleiben, wird es nicht ohne Engagement der ansässigen Stadtbevölkerung gehen. Und die weiß dann auch noch vor Ort am besten Bescheid. “Ein voller Erfolg” findet Wieland Giebel vom Bürgerverein Luisenstadt und zeigt das rotte Tablet mit dem Apfel vor.

Rico Prauss – Mitarbeiter