Aller Anfang ist leicht

Sprichwörter müssen ja nicht immer stimmen, zumindest in der digitalen Welt verlieren so manche ihre Gültigkeit. Einen Blog anzufangen ist vergleichsweise und heutzutage eine einfache Übung und somit ein leichter Anfang. Die Schwierigkeit besteht eher im Durchhaltevermögen und darin, den vermeintlich unendlich großen Platz nicht mit Sinn- und Belanglosigkeiten zu füllen.

Wir wollen uns mühen.

Wir meint zuerst einmal Kathrin Gerlof und Rico Prauss, die beide für die Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Carola Bluhm, Wahlkreisarbeit machen. Damit ist zumindest eine nicht unwichtige Grundlage für einen Blog gelegt: Wir kommen rum, reden mit Leuten, befassen uns mit Themen, die im Wahlkreis 2 Berlin-Mitte relevant sind und stellen immer wieder fest, dass sich im realen Leben die Grenzen von Wahlkreisen nur bedingt dafür eignen, über eine Stadt und deren Menschen zu schreiben. Also werden wir uns nicht nur in Mitte bewegen. Uns gehört die Stadt ja auch.

Der Wahlkreis 2 umfasst den südlichen Teil des einstigen Ortsteils Mitte, dazu gehören Alexanderplatz, Engelbecken, Heinrich-Heine-Viertel, Scheunenviertel, die Museumsinsel und das Gebiet Unter den Linden, Friedrichstraße, Leipziger Straße, Potsdamer Platz. Wahrscheinlich ist es der meistbesuchte Wahlkreis in Berlin, schließlich ist die Dichte der Sehenswürdigkeit nirgends sonst so groß, findet man kaum woanders auf so engem Raum derartig viele Zeugnisse verschiedener historischer Epochen. Das hat seine guten und seine anstrengenden Seiten.

Mitte ist in jeder Hinsicht ein begehrter Ort, demzufolge gibt es auch viele sehr unterschiedliche und oft konträre Interessen. Es gibt wahnsinnig laute Straßen, irrwitzig viel Verkehr, erstaunlich ruhige und grüne Oasen, Plätze, die wie die Vorlage für eine vielteilige Serie über soziale Zerrissenheit, das Nebeneinander von Konsumtempeln und Schlafplätzen für Wohnungslose wirken. Wer über den Alexanderplatz läuft hat das ganze pralle und nicht immer schöne Leben im Schnelldurchlauf gesehen. Zwischen der Lebensmittelabteilung bei Kaufhof und den Schlafplätzen Wohnungsloser neben der Kneipe „Besenkammer“ liegen wahrlich Welten – von einer in die andere braucht man zwei Minuten.

An manchen Orten, wie dem Haus der Statistik, das wahlweise wie ein großes Versäumnis oder ein grandioses Versprechen aussehen kann, wird mit viel und notwendigem Aufwand versucht, verschiedene Interessen und Vorstellungen zu einem Gesamtkonzept zu bündeln. Und wenn sich die Stadt, die zugleich Bundesland ist, darauf einigt, einem ganzen Ensemble die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, um es in seiner historischen und gegenwärtigen Bedeutung und – ja, Schönheit – zu erhalten und weiterzuentwickeln, entstehen Pläne und Konzepte, wie die für die Karl-Marx-Allee, Bauabschnitt II zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz. Solche Quartiere sind dann auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich aus Nachbarschaften organisierte Initiativen entwickeln. Aus dem Nachbarschaftsrat wurde ein Verein, der sich in die Debatten einbringt.

Oft geraten solche ehrenamtlichen Initiativen an die Grenzen des Machbaren, denn Teilhabe bedeutet, Zeit zu geben. Viel Zeit, was manchmal überfordert, denn Aushandlungsprozesse wie die um das Haus der Statistik oder die Karl-Marx-Allee sind sehr mühevolle und oft kleinteilige Arbeit. Und sich mal so nebenher eine Expertise in den nicht selten sehr schwierigen Prozessen zu erarbeiten, ist kein Pappenstiel.

In Mitte 2 gibt es Orte, die scheinen für ewig und immer verloren für städtisches und bürgerschaftliches Handeln. Das Café Moskau spricht davon, das einstige Babette in einem der Pavillons, das inzwischen Geschichte ist, das Haus der Gesundheit, das seinem Namen nur noch bedingt gerecht wird und dessen Niedergang die medizinische Versorgung im Quartier rund um die Karl-Marx-Allee für viele Menschen verschlechtert hat. Hier ist ein langer Kampf geführt worden und am Ende hat dann doch das Geld regiert, hatte die Landes- und Bezirkspolitik zu wenig Spielraum oder musste sich mit Versäumnissen vergangener Zeiten arrangieren, weil verpasste Gelegenheiten halt nicht wiederkommen. Oft jedenfalls.

Was wir mit diesem Blog wollen, ist, regelmäßig und häufiger als hin und wieder, über solche Geschichten und Entwicklungen schreiben. Keine langen Elogen – deshalb ist an dieser Stelle auch erst einmal Schluss – stattdessen kleine Puzzleteile, die sich nach und nach hoffentlich zu einem Bild fügen.

Mal schauen, wie weit wir damit kommen. Der Anfang ist ja, wie gesagt, ziemlich einfach. Erst die Strecke wird Arbeit.

 

Kathrin Gerlof und Rico Prauss /Wahlkreismitarbeiter