Zurück zur Startseite
27.08.2011 Eröffnungsrede

Eröffnungsrede

Ich begrüße Sie ganz herzlich zur diesjährigen Berliner Seniorenwoche, die in diesem Jahr bereits zum 37. Mal stattfindet.

Die Berliner Seniorenwoche ist längst ein festes Datum im Veranstaltungskalender unserer Stadt geworden. Ich freue mich daher sehr, dass Sie, wie in den Jahren zuvor, auch diesmal wieder so zahlreich erschienen sind -  hier vor einem der Wahrzeichen Berlins, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Schade nur, dass wir heute mit der  Baustellenverpackung Vorlieb nehmen müssen.

Mein besonderer Dank gebührt zunächst all denen, die mitgemacht und mitgeholfen haben, diese Veranstaltung zu ermöglichen. Besonders hervorheben möchte und muss ich an dieser Stelle wie immer:
• Inge Frohnert vom Arbeitskreis Berliner Senioren und
• Hans Buchholz vom Organisationsbüro Berliner Senioren-woche

Ohne diese beiden wäre diese Veranstaltung wohl undenkbar! 

Ich begrüße ganz besonders auch die Aussteller mit Ihren zahlreichen Ständen hier auf dem Platz - aus den Senioren- und Selbsthilfeorganisationen, aus dem „sozialen Berlin“ und natürlich auch die „Sozialverbände“ dieser Stadt.

Liebe Seniorinnen und Senioren,
das diesjährige Motto der Seniorenwochen lautet:
„Ältere Menschen – aktiv in Berlin“

Der Altersstrukturwandel in Berlin wirkt sich auf fast alle Lebensbereiche aus: auf Arbeit, auf die Wirtschaft und auch auf die Bildung. Auf das Thema Wohnen und Verkehr, auf soziale Beziehungen und die soziale Sicherung. Wir wollen die öffentliche Debatte über das Altern der Gesellschaft unter dem "Leitbild des aktiven Alters" vorantreiben.
Berlin stellt sich der Zukunftsaufgabe mit neuen Konzepten. Der Berliner Senat hat ein Demografie-Konzept für Berlin erarbeitet. Seniorenpolitik spielt in diesem Konzept eine maßgebliche Rolle. Wir wollen die Seniorinnen und Senioren noch aktiver in die Gestaltung ihrer Lebenswelt mit einbeziehen. Die meisten der ‚älteren Menschen’ sind körperlich und geistig fit. Sie verfügen über Fachwissen und jahrzehntelange berufliche Erfahrung. Ihr Wissen, ihre Kompetenz und ihre Erfahrungen halten wir für unverzichtbar für die Stadtgesellschaft.
Aber auch diejenigen, die vielleicht in fortgeschrittenem Alter nicht mehr ganz so fit sind, sollen Beachtung finden. Altern, dass wird immer deutlicher, ist etwas, dass bei jedem Menschen anders verläuft.

Die Berliner Seniorenpolitik wird von dem Grundsatz geprägt, ein Altern in Würde zu ermöglichen. Dazu ist es unerlässlich, die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe der älteren Generation zu erhalten und zu stärken und dabei unterschiedliche Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Die Seniorenpolitik Berlins ist dem Ziel einer solidarischen Gesellschaft verpflichtet.


Viele ältere Menschen leiden unter den Vorurteilen und Stereotypen einer latenten Altersdiskriminierung. Sie fühlen sich aufgrund ihres Alters belächelt, missachtet, nicht ernst genommen und von Angeboten ausgeschlossen.
Der Schatten negativer Altersbilder ist lang:
· In Stellenanzeigen werden Mitarbeiter für ein „junges, dynamisches Team“ gesucht.
· bei einer älteren Patientin wird eine Reha-Maßnahme mit der Begründung verweigert, ihre Arbeitsfähigkeit müsse nicht wieder hergestellt werden.
· ein 68 jähriger Kunde kann eine Digitalkamera nicht auf Teilzahlung erwerben, weil in den Geschäftsbedingungen Kunden ab einem bestimmten Alter von Ratenzahlungen ausgeschlossen werde
· einer älteren Wohnungssuchenden wird ein Mietvertrag erst angeboten, wenn sie den Nachweis der „Nicht-Pflegebedürftigkeit“ erbringt.

Deshalb ist - wie bereits im letzten Jahr-  auch  unsere Landesstelle für Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung mit einem eigenen Stand auf dieser Seniorenwoche präsent. Verstehen Sie unser Angebot als ein Zeichen dafür, dass wir nicht bereit sind, Altersdiskriminierung hinzunehmen. Wir wollen, dass Betroffene über ihre Rechte und Möglichkeiten nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz beraten werden und sich gezielt wehren können.

 


Liebe Seniorinnen und Senioren,
viele von Ihnen bringen ihr Wissen und ihre Erfahrungen nachberuflich in freiwilliges oder bürgerschaftliches Engagement ein. Das ist gut und wichtig so, und die Gesellschaft will auf diese Arbeit auch nicht verzichten.

Dazu gehören Freiwilligenagenturen und öffentliche Räume wie Stadtteilzentren und Nachbarschaftshäuser. Sich hier zu engagieren, Wissen beispielsweise in Selbsthilfegruppen weiterzugeben und so zum Erhalt und zur Erneuerung des Generationenvertrags beizutragen, halte ich für enorm wichtig. Deshalb bin ich sehr froh, dass der frühere Berliner Selbsthilfemarkt mit seinen mehr als 60 Gruppen und Organisationen jetzt in die Eröffnung der Berliner Seniorenwoche integriert ist. Selbsthilfegruppen und Interessenverbände sind deshalb so wichtig, weil sie Ausdruck einer eigenen Kultur der Hilfe, der sozialen Netzwerke und der Lobbyarbeit von Betroffenen für Betroffene sind.

Im Rahmen der Berliner Seniorenwoche präsentieren sich erneut auch die Berliner Stadtteilzentren an einem Gemeinschaftsstand. Mit dem Infrastruktur-Förderprogramm Stadtteilzentren wurde in Berlin das weite Netz der Nachbarschaftseinrichtungen und Selbsthilfekontaktstellen gestärkt und durch stadtweit agierende Seniorenprojekte ergänzt.

 


Lieber Berlinerinnen und Berliner,
lieber Seniorinnen und Senioren,

die diesjährigen Berliner Seniorenwochen stehen ganz im Zeichen der Wahlen zu den Seniorenvertretungen!

Sie finden in der zweiten Novemberwoche statt – genau zwei Monate nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen.
So sieht es das Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz vor. Ein Gesetz, dass nach langjähriger Debatte und intensiver Vorarbeit der Seniorengremien sowie ausführlichen Diskussionen in den Parteien und im Parlament im Sommer 2006 in Kraft getreten ist
Berlin war das erste Bundesland, das eine gesetzliche Bestimmung verabschiedet hat, welche die Arbeit der Seniorenvertretungen regelt. Andere Bundesländer eifern uns nun nach.
Jetzt im Jahr 2011, nach fünfjähriger Laufzeit, hat das Abgeordnetenhaus eine Novellierung des Gesetzes beschlossen. Dieser Überarbeitungsprozess hat das Ziel, das Gesetz noch wirkungsvoller zu gestalten.

Damit das Seniorenmitwirkungsgesetz und die Berliner Seniorengremien in Berlin deutlich bekannter werden, wollen wir zukünftig noch mehr Öffentlichkeitsarbeit dafür machen. In Übereinstimmung mit einem Beschluss des Abgeordnetenhauses und gemeinsam mit den Bezirken will ich die Möglichkeiten der Seniorenmitwirkung in Berlin bekannter machen als bisher und für eine aktive Beteiligung der Senioreninnen und Senioren werben. 
Liebe Seniorinnen und Senioren,
Nutzen Sie Ihre Rechte, engagieren Sie sich, gehen sie wählen!

Ich danke vielmals für Ihr Interesse und Ihr Engagement und eröffne hiermit die 37. Berliner Seniorenwochen.