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7. Mai 2011

Der lange Weg zum Erwachsenwerden: Gastrednerin bei einer Jugendfeier

Seit 1929 gibt es in Berlin nun schon die traditionelle Jugendfeier. In der Zeit der bürgerlichen Revolution 1848/49 wandten sich freireligiöse Gemeinden von Kirche und damit auch von Konfirmation und Firmung ab. Sie entwickelten eine neue Form des Feierns. Ab 1852 gab es den Namen „Jugendweihe“ dann. Sie war eine außerkirchliche Feier für 14-jährige Schulabgänger. Zwischen 1919 und 1933 war die Jugendweihe ein fester Bestandteil der Festkultur der Arbeiterbewegung. Während des Nationalsozialismus wurde sie als Teil der Arbeiterbewegung und auf Grund ihrer Wurzeln verboten. Doch nach 1945 lebte sie in den Westsektoren wieder auf. Was viele gar nicht wissen: bis 1954 blieb die Jugendweihe in der DDR nicht erlaubt. Danach jedoch nahm die Verbreitung in der DDR zu und im Westen versank die Jugendweihe fast in der Bedeutungslosigkeit.
Seit 1993 bietet der Humanistische Verband Deutschland (HVD) Jugendfeiern an. Sie sollen den jungen Menschen die ersten Schritte ins Erwachsenenleben erleichtern. Im Vorfeld der Jugendfeier werden die jungen Mädchen und Jungen ein halbes Jahr lang auf diese Feier vorbereitet. Die Vermittlung von Werten wie Selbstbestimmung, Toleranz, Verantwortung und Solidarität steht hierbei im Vordergrund.
Als Festrednerin war ich zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Jugendfeier eingeladen. Über 2000 Mädchen und Jungen waren mit ihren Eltern und teilweise auch ihren Großeltern zu dieser Veranstaltung gekommen. In einem bunten Rahmenprogramm gab es Musik, Tanz und festliche Ansprachen.
Beeindruckend war, wie unterschiedlich sich die jungen Menschen auf der Bühne bei ihrer persönlichen Würdigung präsentierten. Waren einige doch sehr aufgeregt – nur allzu verständlich bei einer solchen Menge an Menschen – nahmen andere die Situation sehr gelassen hin. Es ist eine wirklich schöne Tradition, dass hier der Mensch als solcher, unabhängig von Religion oder Gelöbnis gewürdigt wird. Es ist auch schön, dass die Jugendlichen  während der Vorbereitungszeit ein Stück des nicht immer konfliktfreien Weges zum Erwachsenwerden begleitet werden. Es hat mir großen Spaß gemacht, ein Teil dieser Tradition zu sein, die hoffentlich lange erhalten bleibt.